Magnesiumstearat – 2 Mythen über das Hilfsstoff und was die Wissenschaft wirklich sagt
Magnesiumsalz aus Speisefettsäuren
- Beterskupp®
- 5 Minuten Lesezeit
Wer die Zutatenlisten von Nahrungsergänzungsmittel liest, stößt früher oder später auf einen Begriff, der seit Jahren für Diskussionen sorgt: Magnesiumstearat. Mancherorts wird der Stoff als unnötig oder gar bedenklich dargestellt. Auf anderen Seiten heißt es, er sei völlig harmlos.
Was stimmt nun wirklich? Wir schauen uns die Fakten nüchtern an.
Stoff
Magnesiumstearat (E470b)
Typische Menge
3–15 mg pro Kapsel (< 2 % der Gesamtmasse)
Anderen Namen
Magnesiumsalz aus Speisefettsäuren
EFSA-Status
Zugelassen | Kein ADI-Wert erforderlich | Seit Jahrzehnten in Lebensmitteln und Arzneimitteln eingesetzt
Funktion in NEM
Fließmittel, verhindert Verkleben an Maschinenteilen, Dosiergenauigkeit
Transparenz
Vollständig deklariert auf allen Produktetiketten
Zusammensetzung
Ca. 96 % Stearinäure (gesättigte Fettsäure) + ca. 4 % Magnesium
In Beterskupp® - Produkten ►
Ornungholt+, Starkholt+, Sielbalm Harmonie+, Schildtrank+, Kraftdeel Mg+
Was ist Magnesiumstearat – und wozu dient es?
Eines der am längsten und gründlichsten untersuchten Fließmittel der Lebensmittelbranche
Magnesiumstearat (E470b) ist ein weißes, geruchloses Pulver, das aus zwei bekannten Bestandteilen besteht: zu 96 % aus Stearinsäure – einer gesättigten Fettsäure, die natürlicherweise in Lebensmitteln wie Kakaobutter, Kokosöl oder magerem Rindfleisch vorkommt – und zu 4 % aus Magnesium. In der Kapselproduktion erfüllt der Stoff eine rein technische Aufgabe: Er verbessert die Fließeigenschaften der Pulvermischung, verhindert das Verkleben an Maschinenteilen und sorgt für eine gleichmäßige, präzise Befüllung jeder einzelnen Kapsel.
Woher kommt der schlechte Ruf?
🐭 Die Mäuse-Studie von 1990 – und warum sie für Menschen nicht gilt
Ein großer Teil der Kritik an Magnesiumstearat lässt sich auf zwei Studien zurückführen, die in der Diskussion immer wieder auftauchen und häufig falsch interpretiert werden.
In einer Studie aus dem Jahr 1990 (Tebbey & Buttke) wurden Immunzellen von Mäusen isoliert und in einer Petrischale direkt in Stearinsäure gebadet – also in vitro, außerhalb eines lebenden Organismus. Das Ergebnis: Die T-Zellen der Mäuse nahmen die Stearinsäure in ihre Zellmembran auf, was zur Destabilisierung und zum Absterben der Zellen führte.
Drei entscheidende Punkte wurden in der öffentlichen Diskussion fast vollständig ignoriert:
- Die Studie wurde nicht mit Magnesiumstearat, sondern mit reiner Stearinsäure durchgeführt.
- Es handelte sich um Mäusezellen – nicht um menschliche Zellen. Mäuse besitzen ein Enzym nicht, das Menschen haben: die Stearoyl-CoA-Desaturase, die Stearinsäure in die ungesättigte Ölsäure umwandelt. Im menschlichen Körper würde dieser Vorgang die Zellmembran schützen, nicht schädigen.
- Die Versuchsbedingungen in vitro (in einer Petrischale) – sind mit der normalen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln schlicht nicht vergleichbar.
Fazit zur Mäuse-Studie 🐭
Diese Studie sagt über die Sicherheit von Magnesiumstearat in der Nahrungsergänzung für Menschen nichts aus !
❓ Die Bioverfügbarkeits-Frage
Ein weiterer häufig genannter Vorwurf lautet – „Magnesiumstearat könne die Aufnahme von Wirkstoffen im Körper verhindern“.
Auch hier ist Genauigkeit gefragt: Eine in-vitro-Studie (in einer Petrischale) von 2007 zeigte, dass sich Tabletten mit Magnesiumstearat in künstlicher Magensäure etwas langsamer auflösten. Die Autoren selbst betonten jedoch, dass daraus keine Schlussfolgerungen für die tatsächliche Bioverfügbarkeit beim Menschen gezogen werden dürfen.
Und tatsächlich: In Studien mit Probanden, bei denen Blutwerte gemessen wurden, zeigte sich kein Unterschied in der Wirkstoffaufnahme.
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5 Fakten zu Magnesiumstearat
- Besteht aus Stearinsäure + Magnesium – beides natürliche Bestandteile vieler Lebensmittel
- Die Mäuse-Studie (1990) verwendete Stearinsäure, nicht Magnesiumstearat – und ist auf Menschen nicht übertragbar
- In-vitro-Befunde (außerhalb des Organismus) lassen keine Aussagen über Wirkungen im menschlichen Körper zu
- EFSA: kein ADI-Wert erforderlich – kein sicherheitsrelevanter Grenzwert nötig
- Enthaltene Mengen (3–15 mg/Kapsel) liegen weit unterhalb jedes gesundheitsrelevanten Bereichs

Was sagt die Wissenschaft wirklich?
Kein ADI-Wert – kein Grenzbedarf
Magnesiumstearat wird im Körper in seine Bestandteile zerlegt: Magnesium und Stearinäure – beides Stoffe, die natürlicherweise in der Nahrung vorkommen und normal verstoffwechselt werden.
Wissenswertes rund um Magnesiumsalz aus Speisefettsäure
Hilfsstoff ist nicht gleich Wirkstoff
Hilfsstoffe wie Magnesiumstearat erfüllen technische Aufgaben bei der Herstellung. Sie haben keinen pharmakologischen Effekt und werden vom Körper in ihre Bestandteile – Magnesium und Stearinäure – zerlegt und normal verarbeitet.
In vitro vs. in vivo
„In vitro“ bedeutet: außerhalb eines lebenden Organismus, z. B. in einer Petrischale. „In vivo“ bedeutet: im lebenden Körper. Ergebnisse aus In-vitro-Studien lassen sich nicht automatisch auf den Menschen übertragen – das ist ein wissenschaftlicher Grundsatz, der bei der Bewertung von Studien immer beachtet werden sollte.
Schon gewusst?
Der menschliche Körper kann Stearinäure in Ölsäure umwandeln – dieselbe Fettsäure, die Olivenöl so wertvoll macht.
Mäuse können das nicht. Genau hier liegt der entscheidende Fehler der oft zitierten Studie von 1990.
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Weiterführende Quellen
- EFSA – Wissenschaftliche Neubewertung von Fettsäuresalzen (E 470a–b) als Lebensmittelzusatzstoffe
- Zusatzstoffe-online.de – E470b: Magnesiumsalze der Speisefettsäuren
- Wikipedia – Magnesiumstearat: Chemie, Verwendung, Sicherheit
- BfR – Lebensmittelzusatzstoffe: Allgemeine Informationen und Bewertung
- Tebbey & Buttke (1990) – Originalstudie (PubMed-Referenz zur Einordnung)
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